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Nachhaltigkeit im Klinikalltag: Wenn kleine Veränderungen große Wirkung entfalten

Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen ist längst mehr als ein strategisches Zukunftsthema. Immer häufiger entstehen konkrete Veränderungen direkt im Klinikalltag, angestoßen von den Mitarbeitenden selbst. Das Projekt SustainMed, welches vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg gefördert wird, möchte verschiedene Pilotprojekt umsetzen und zu mehr Nachhaltigkeit in der Klinik beitragen.

Mitarbeitende als Impulsgeber für nachhaltige Prozesse

Seit 2024 werden in der BG Klinik Tübingen Mitarbeitende zu verschiedenen Nachhaltigkeitsthemen befragt. Die ersten Umfragen zeigten ein ausgeprägtes Bewusstsein für Materialverbrauch, Abfallmengen und ineffiziente Abläufe im Klinikbetrieb. Ziel war es, Handlungsfelder zu identifizieren, die sowohl ökologische als auch prozessuale Verbesserungen ermöglichen. Neben den Themen „Einsatz von Handschuhen“ und „Abfalltrennung im Operationssaal“ wurden insbesondere die Falthandtücher als geeignetes Pilotprojekt identifiziert. Ausschlaggebend waren ihr deutlich höheres Verbrauchsvolumen im Vergleich zu anderen erfassten Produktkategorien sowie Hinweise und Wünsche der Mitarbeitenden. Da eine Umstellung bereits seitens des Einkaufs geplant war, konnte der Prozess wissenschaftlich begleitet und in das SustainMed-Projekt integriert werden.


Von Falthandtüchern zu Rollenhandtüchern

Im Rahmen der Umstellung wurden klassische Einweg-Falthandtücher aus Papier durch Papierrollenhandtücher ersetzt. Laut Herstellerangaben zeichnen sich diese durch einen geringeren Verbrauch aus. Außerdem werden die gebrauchten Handtücher separat gesammelt, abgeholt und einem Recyclingprozess zugeführt.

Bereits in den ersten drei Monaten konnten mehr als 500 Kilogramm Papierhandtücher gesammelt und recycelt werden. Nach Herstellerangaben entspricht dies einer Einsparung von rund 80 Kilogramm CO2-Äquivalenten. Dies entspricht ungefähr der Menge CO2, die elf Bäume innerhalb eines Jahres binden können. Zwar sind Transportwege in dieser Berechnung nicht enthalten, allerdings wurde die BG Klinik Tübingen an eine bestehende Abholroute angebunden. Zudem mussten auch die zuvor genutzten Falthandtücher geliefert und entsorgt werden.

Der eigentliche Mehrwert liegt vor allem in der verbesserten Recyclingquote. Während die bisherigen Handtücher nicht recycelt wurden, können die neuen Tücher sortenrein gesammelt und erneut verarbeitet werden. Die enthaltenen Zellulosefasern werden zu neuen Papierhandtüchern aufbereitet. Gleichzeitig sinken die Mengen des zu verbrennenden Klinikabfalls und damit auch die damit verbundenen Emissionen. Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Effekt: Für die recycelten Tücher fallen keine Entsorgungskosten an.

 

Akzeptanz steigt mit der Zeit

Besonders interessant ist die Entwicklung der Mitarbeiterperspektive im Verlauf der Einführung. Während die neuen Rollenhandtücher unmittelbar nach der Umstellung noch kritisch bewertet wurden, verbesserte sich die Akzeptanz im Laufe des Jahres deutlich.

Im Februar 2025 gaben noch 59 % der Befragten an, die neuen Handtücher insgesamt schlechter zu finden als die bisherigen Produkte. In der zweiten Befragung im Dezember 2025 lag dieser Anteil nur noch bei 37 %.

\sAuch die Bewertung der einzelnen Produkteigenschaften (Entnahme, Reißfestigkeit und Trocknungseigenschaft) hat sich seit der Einführung verbessert. Die Entnahme der Tücher empfanden zuletzt 58 % als gut, ein Plus von 16 Prozentpunkten gegenüber der ersten Befragung (Abbildung 1).

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Abbildung 1: Bewertung der neuen Papierhandtücher hinsichtlich der Entnahme im Vergleich zwischen 02/25 und 12/25.

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Copyright: BioRegio STERN Management GmbH

Verbrauch und Wahrnehmung entwickeln sich unterschiedlich

Beim Vergleich zwischen subjektiver Wahrnehmung und tatsächlichem Verbrauch zeigte sich, dass im Februar 2025 die Hälfte der Teilnehmenden keine Verbrauchsreduktion wahrnahm. Auch im Dezember 2025 veränderte sich diese Einschätzung kaum. 47 % bewerteten den Verbrauch auch weiterhin als unverändert, 31 % hatten das Gefühl, weniger zu verbrauchen und 22 % gingen dagegen davon aus, mehr Papier zu nutzen.

Die realen Verbrauchsdaten zeigen jedoch eine klare Entwicklung: Die Bestellmengen gingen seit der Einführung um drei bis fünf Prozent zurück. Insgesamt konnten im Jahr 2025 bereits rund 1,8 Tonnen Papierhandtücher gesammelt und dem Recycling zugeführt werden. Hochgerechnet entspricht dies einer Einsparung von rund 285 kg CO2-Äquivalenten beziehungsweise der jährlichen CO2-Bindung von etwa 39 Bäumen.

Die neue Art der Entsorgung der Papierhandtücher wurde von 43 % als positiv eingeschätzt, während 20 % dem Thema neutral gegenüberstanden. 25 % bewerteten sie als negativ. Gründe für die negative Bewertung waren hauptsächlich Fehlwürfe (Abbildung 2). Der unter „Sonstige“ hauptsächlich genannte Kritikpunkt war Platzmangel.

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Abbildung 2: Gründe für die negative Beurteilung der Entsorgung der Papierhandtücher (Anzahl Nennungen).

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Copyright: BioRegio STERN Management GmbH

Nachhaltigkeit braucht Beteiligung

Die Ergebnisse zeigen eindrücklich, dass nachhaltige Veränderungen im Klinikmanagement nicht allein durch technische oder organisatorische Maßnahmen entstehen. Entscheidend ist die Einbindung der Mitarbeitenden. Gerade im hochdynamischen Klinikalltag entscheidet die praktische Akzeptanz darüber, ob neue Prozesse langfristig funktionieren.

Das Beispiel der Papierhandtuchumstellung verdeutlicht, dass nachhaltige Maßnahmen anfangs durchaus kritisch wahrgenommen werden können. Gleichzeitig zeigt sich aber auch: Wenn Prozesse nachvollziehbar gestaltet, Rückmeldungen ernst genommen und Verbesserungen sichtbar werden, steigt die Akzeptanz deutlich. Nachhaltigkeit wird damit nicht als zusätzliche Belastung erlebt, sondern zunehmend als sinnvoller Bestandteil eines modernen Klinikbetriebs.

Weitere Informationen

Finanziert aus Landesmitteln, die der Landtag Baden-Württemberg beschlossen hat.
Weitere Informationen: sustainmed.eu

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Source:
BioRegio STERN Management GmbH