Vier Perspektiven. Vier Gespräche. - Interview mit Kay-Uwe Schulze
Folge 1/4: Interview mit Kay-Uwe Schulze (Abteilungsleiter Einkauf und Logistik, BG Klinik Tübingen) über die Rolle des Einkaufs
Gefördert vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, unterstützt das Projekt SustainMed 2.0 den Transfer nachhaltiger Lösungen in die Praxis - für mehr Nachhaltigkeit in Krankenhäusern und Unternehmen. So werden Best-Practice-Beispiele mithilfe digitaler Instrumente identifiziert, sichtbar gemacht und für Kliniken deutschlandweit nutzbar gemacht. Durch die Vernetzung von Kliniken, Unternehmen und Politik sollen nachhaltige Maßnahmen dauerhaft im Versorgungsalltag verankert und damit Ressourcen geschont, sowie Emissionen reduziert werden. Der Handlungsbedarf ist hoch: denn das Gesundheitswesen in Deutschland verursacht rund 5–6 % der nationalen Treibhausgasemissionen.1

SustainMed 2.0 lebt vom Austausch unterschiedlicher Akteure. In unserer Interviewreihe geben vier Expertinnen und Experten aus den Bereichen Einkauf und Logistik, Medizin, Digitalisierung und Klimaschutzmanagement Einblicke in ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Ideen.
„Vier Perspektiven. Vier Gespräche“ – unterschiedliche Ansätze wie Veränderung gelingen kann. Jede Woche erscheint ein Interview mit einer Expertin oder einem Experten aus SustainMed 2.0. Im ersten Teil unserer Serie spricht Kay-Uwe Schulze über die Rolle des Einkaufs.
Kay-Uwe Schulze – Abteilungsleiter Einkauf und Logistik, BG Klinik Tübingen.

Was gehört zu Ihren Kernaufgaben?
Als Abteilungsleiter Einkauf und Logistik der BG Klinik Tübingen verantworte ich die strategische und operative Beschaffung sowie die gesamte logistische Versorgung der Klinik. Dazu gehören die Sicherstellung der Wirtschaftlichkeit, Qualität und Verfügbarkeit von Medizinprodukten, Verbrauchsmaterialien und Dienstleistungen sowie die Steuerung und Weiterentwicklung der Logistikprozesse. Dabei koordiniere ich ein Team von 13 motivierten Mitarbeiter/innen, entwickle Beschaffungsstrategien und begleite bereichsübergreifende Projekte.
Was hat Sie persönlich bzw. Ihr Unternehmen/Ihre Einrichtung motiviert, sich in dem Projekt zu engagieren?
Mich motiviert an SustainMed besonders der praxisnahe Ansatz, nachhaltige Lösungen zu entwickeln, zu erproben und dauerhaft in den Klinikalltag zu integrieren. Dabei geht es für mich darum, Ressourcen zu schonen, Abfall und Emissionen zu reduzieren, Prozesse zu optimieren und Best Practices gemeinsam mit anderen Akteuren in die Praxis zu übertragen. Gerade die Verbindung von Einkauf, Logistik, medizinischen Bereichen und Industrie bietet dabei großes Potenzial.
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihrem beruflichen Alltag – auch unabhängig von SustainMed?
Nachhaltigkeit spielt in meinem beruflichen Alltag eine wichtige Rolle. Dabei sehe ich Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit nicht als Gegensätze – häufig lassen sich durch nachhaltige Lösungen gleichzeitig Kosten reduzieren, Ressourcen schonen und Prozesse verbessern – ein Beispiel in der BG Klinik Tübingen war die Umstellung und Recycling unserer Papierhandtücher. Nachhaltigkeit nutze ich im Einkauf bewusst als Türöffner, um mit Lieferanten ins Gespräch zu kommen, neue Produkte und innovative Lösungen kennenzulernen, aber auch um interne Prozesse in unserer BG Klinik kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls neu auszurichten. So entstehen wirtschaftliche und zugleich nachhaltige Lösungen für die Klinik.
Welche Rolle spielt der Einkauf aus Ihrer Sicht, wenn es um mehr Nachhaltigkeit im Krankenhaus geht?
Der Klinik Einkauf hat aus meiner Sicht eine Schlüsselrolle, wenn es um mehr Nachhaltigkeit in Krankenhäusern geht. Durch die Auswahl von Produkten, Lieferanten und Beschaffungsstrategien kann er einen wesentlichen Beitrag leisten. Gleichzeitig ist Nachhaltigkeit ein Hebel für Innovationen, um gemeinsam mit Lieferanten und Fachbereichen neue Lösungen zu entwickeln, bestehende Prozesse kritisch zu hinterfragen und dabei Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit miteinander zu verbinden.
Gibt es Kriterien, die aus Ihrer Sicht notwendig wären, um nachhaltigere Kaufentscheidungen treffen zu können oder Lieferanten auszuwählen?
In jedem Fall! Aus meiner Sicht braucht es dafür allerdings klare und vergleichbare Nachhaltigkeitskriterien, die sich möglichst einfach in die Beschaffungsprozesse integrieren lassen – so etwas vermisse ich noch. Dazu gehören beispielsweise Lebenszykluskosten, Materialverbrauch, Wiederverwendbarkeit, Recyclingfähigkeit, Verpackung, CO2-Emissionen sowie die Nachhaltigkeitsstrategie und Transparenz des Lieferanten. Wichtig ist dabei, Nachhaltigkeit nicht isoliert zu betrachten, sondern immer gemeinsam mit Qualität, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit zu bewerten. Ein möglicher Anfang wäre ein einfaches Ampelsystem für Produkte – ähnlich dem Nutri-Score bei Lebensmitteln. So könnte man auf einen Blick erkennen, wie nachhaltig ein Artikel ist, und Nachhaltigkeit würde im Einkaufsprozess vergleichbar, transparent und alltagstauglich werden.
Wo erwarten Sie die größten Hürden, wenn es um die konkrete Umsetzung geht?
Die größten Hürden sehe ich in fehlenden einheitlichen und verlässlichen Nachhaltigkeitskriterien, der teilweise noch begrenzten Verfügbarkeit nachhaltiger Alternativen sowie in höheren Anschaffungskosten. Hinzu kommt die Herausforderung, Nachhaltigkeit mit den Anforderungen an Qualität, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen. Entscheidend ist daher, Nachhaltigkeit stärker in bestehende Prozesse zu integrieren und alle Beteiligten – von den Fachbereichen über den Einkauf bis zu den Lieferanten nicht nur mitzunehmen, sondern für Nachhaltigkeit zu begeistern.
Welchen Rat würden Sie anderen Einkaufsverantwortlichen geben, die sich mit dem Thema noch nicht beschäftigt haben?
Mein Rat wäre: Einfach mal anfangen und machen! Nachhaltigkeit Schritt für Schritt in bestehende Beschaffungsprozesse integrieren. Dabei nicht nur auf den Preis schauen, sondern Lebenszykluskosten, Ressourcenverbrauch und Entsorgungskosten mitbetrachten. Vor allem sollte man Nachhaltigkeit als Chance für Innovationen und Prozessverbesserungen verstehen und gemeinsam mit Fachbereichen/Stationen und Lieferanten nach pragmatischen Lösungen suchen.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Projekts und zum Thema Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen allgemein?
Ich wünsche mir, dass SustainMed langfristig konkrete Veränderungen im Klinikalltag bewirkt und dabei noch stärker die Realität der Krankenhäuser berücksichtigt. Nachhaltigkeit muss ambitioniert sein, aber auch wirtschaftlich umsetzbar bleiben – nachhaltig in die Insolvenz zu gehen, kann schließlich niemand wollen. Entscheidend ist für mich daher, Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und eine sichere Patientenversorgung gemeinsam zu denken und praktikable Lösungen zu entwickeln.
Welchen Satz würden Sie einer Person mitgeben, die noch zögert, sich mit dem Thema zu beschäftigen?
Einfach anfangen – nachhaltiger einkaufen oder zu handeln heißt nicht, dass am Ende nur noch der gute Wille auf der Rechnung steht. Wer genauer hinschaut, findet oft pragmatische und einfache Lösungen, die gleichzeitig nachhaltiger und wirtschaftlicher sind. Auch kleine Schritte können eine große Wirkung erzielen.
Finanziert aus Landesmitteln, die der Landtag Baden-Württemberg beschlossen hat.
Quelle:
1 Bundesministerium für Gesundheit: German Health CFP – Onepager (PDF)
Weitere Informationen
Pressekontakt:
BioRegio STERN Management GmbH
Dr. Klaus Eichenberg
Friedrichstraße 10
70174 Stuttgart
0711-870354-0
eichenberg@bioregio-stern.de
https://www.linkedin.com/
Redaktion
Zeeb Kommunikation GmbH
Public Relations und Werbung
Lindenstraße 12, D-12527 Berlin
Tel. 0711-60707-19
Tel. 030-484964-07
Mobil 0172-7111434
info@zeeb.info, www.zeeb.info
BioRegio STERN Management GmbH