Meldefrist 29.01.2021 | Ausschreibung

Richtlinie zur Förderung interdisziplinärer Verbünde zur Erforschung von Pathomechanismen

Trotz signifikanter Fortschritte in der Medizin gibt es noch eine erhebliche Anzahl von Erkrankungen, die bisher nur gelindert, aber nicht geheilt werden können. Von besonderer Bedeutung sind dabei solche Erkrankungen, die lebensbedrohlich sind, zu gravierenden Beeinträchtigungen der Lebensqualität führen oder mit hohen Kosten für das ­Gesundheitswesen einhergehen. Ein wesentlicher Grund für fehlende Heilungsmöglichkeiten ist in vielen Fällen, dass die Pathomechanismen, die den Erkrankungen zugrunde liegen, noch nicht ausreichend geklärt sind.

Förderziel und Zuwendungszweck:

Es gibt zunehmend Hinweise, dass es Zusammenhänge zwischen bislang als separat betrachteten Organsystemen und Krankheitsentitäten gibt und dass ganz unterschiedlichen Erkrankungen gemeinsame Pathomechanismen ­zugrunde liegen können. Diese Fördermaßnahme zielt daher zum einen darauf ab, mit Hilfe der interdisziplinären Verbundforschung die Potenziale einer krankheitsübergreifenden Erforschung von Pathomechanismen verschiedener Erkrankungen zu nutzen, um Ansatzpunkte für die Entwicklung innovativer Möglichkeiten für ihre Prävention, Diagnose und Behandlung zu generieren.

Darüber hinaus soll mit dieser Förderrichtlinie unter bestimmten Bedingungen auch die Möglichkeit geschaffen ­werden, ungeklärte Pathomechanismen einzelner Erkrankungen mit hoher Krankheitslast, aber nur unzureichenden Behandlungsmöglichkeiten in interdisziplinären Verbünden zu untersuchen.
 

Gegenstand der Förderung:

Es können interdisziplinäre Verbünde zu den in den Modulen 1 und 2 beschriebenen Fördergegenständen gefördert werden.

Die interdisziplinären Verbünde sollen ein kooperatives und koordiniertes Forschungskonzept verfolgen. Die Arbeit im Verbund soll auf gemeinsam festgelegte Ziele, Fragen und einen gemeinsamen Forschungsgegenstand ausgerichtet sein. Methoden und disziplinäre Beiträge sollen gemeinsam festgelegt und die Ergebnisse zu einer Synthese vereint werden. Die Kohärenz eines Verbunds muss durch stringente Steuerungs- und Kooperationsmechanismen gesichert sein. Durch die interdisziplinären Verbünde soll die Erforschung gänzlich neuer Erkenntnisse und Lösungsansätze ermöglicht werden. Hierzu sollen in den Verbünden bedarfsgerecht sowohl verschiedene medizinische Disziplinen als auch Natur-, IT-, Technik- und Sozialwissenschaften oder Psychologie zusammenarbeiten.
 

Modul 1: Krankheitsübergreifende Pathomechanismen

Gefördert wird die Erforschung krankheitsübergreifender Pathomechanismen zum Zweck der Verbesserung der ­Prävention, Diagnose und Therapie von schwerwiegenden Erkrankungen. Die Forschung soll sich auf solche Pathomechanismen konzentrieren, die jeweils bei verschiedenen, bisher nicht ausreichend behandelbaren Erkrankungen von hoher Bedeutung sind. Die Forschung soll von hoher klinischer Relevanz sein. Aus den Ergebnissen der Arbeiten sollten sich klare Ansatzpunkte für die weitere translationale Forschung ableiten lassen.
 

Modul 2: Unbekannte Pathomechanismen einzelner Erkrankungen mit hoher Krankheitslast

Gefördert wird die Erforschung bisher unbekannter Pathomechanismen für einzelne Erkrankungen, deren Entstehung bisher weitgehend unklar ist und die daher nur unzureichend therapierbar sind. Die zu erarbeitenden Erkenntnisse zu den Pathomechanismen müssen für die Entwicklung innovativer Möglichkeiten für Prävention, Diagnose und Behandlung dieser Erkrankungen von großer Relevanz sein. Es muss sich um Erkrankungen handeln, die lebensbedrohlich sind oder zu einer chronischen Invalidität bzw. zu gravierenden Beeinträchtigungen der Lebensqualität führen und/oder hohe Kosten verursachen.
 

Für Verbünde zu den Modulen 1 und 2 gilt:

Gefördert werden können alle Schritte der präklinischen und klinischen Forschung, die nötig sind, um krankheitsübergreifende bzw. krankheitsspezifische Pathomechanismen von Erkrankungen zu identifizieren und Ansatzpunkte für ihre Nutzung in der Prävention, Diagnostik und Therapie zu generieren. Dazu zählen u. a.:

  • Zusammenführung und Analyse verschiedener Datenquellen zur Identifizierung genetischer, zellulärer und molekularer Pathomechanismen (z. B. klinische Daten, pathologische, zellbiologische und physiologische Befunde, bildgebende Verfahren und Omics-Daten);
  • Untersuchungen an klinisch relevanten, nicht-humanen Modellsystemen, wenn sie klaren Bezug zu den klinischen Fragestellungen haben und die klinischen Untersuchungen synergistisch ergänzen;
  • Identifikation neuer prädiktiver, diagnostischer oder prognostischer Biomarker mit Relevanz zur Stratifizierung von Patientengruppen;
  • Identifikation relevanter neuer therapeutischer Targets.

Im Rahmen der geplanten Projekte können neue Daten erhoben und neue Biomaterialien gewonnen werden. Wo immer möglich ist jedoch die gezielte Nutzung existierender Datensätze, Patientenregister, Kohorten und Materialsammlungen für die Bearbeitung der Forschungsfragen vorzusehen.
 

Nicht gefördert werden

  • Forschung zu Kombinationen von Erkrankungen oder zu einzelnen Erkrankungen, die insgesamt in den inhaltlichen Bereich eines bestehenden Deutschen Zentrums für Gesundheitsforschung sowie der geplanten Zentren für Kinder- und Jugendgesundheit bzw. zu psychischen Erkrankungen fallen, oder die insgesamt innerhalb des Bereichs von Krebserkrankungen bleiben;
  • Forschung zu seltenen Erkrankungen;
  • Forschung, die ausschließlich auf eine Modellierung von komplexen Daten, einschließlich Omics-Daten fokussiert ist;
  • konfirmatorische präklinische Studien;
  • interventionelle klinische Studien.
     

Zuwendungsempfänger:

Antragsberechtigt sind staatliche und staatlich anerkannte Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft. Zum Zeitpunkt der Auszahlung einer gewährten Zuwendung wird das Vorhandensein einer Betriebsstätte oder Niederlassung (Unternehmen) bzw. einer sonstigen Einrichtung, die der Tätigkeit des Zuwendungsempfängers dient (staatliche und staatlich anerkannte Hochschulen und außer­universitäre Forschungseinrichtungen) in Deutschland verlangt.

In einen Forschungsverbund muss mindestens eine universitätsmedizinische Einrichtung als Partner eingebunden sein.
 

Besondere Zuwendungsvoraussetzungen
 

Vorleistungen

Die Antragstellenden müssen durch Vorarbeiten in Forschung und Entwicklung zu den für die jeweiligen Projekt­vorschläge einschlägigen spezifischen Themen- bzw. Krankheitsbereichen ausgewiesen sein.
 

Zusammenarbeit

In die Verbünde müssen alle zur Bearbeitung erforderlichen Partner aus Wissenschaft und Klinik einbezogen werden. Auch Betroffene oder ihre Vertretungen sind in möglichst alle Projektphasen einzubinden. Von den Partnern eines Verbunds ist eine Koordinatorin oder ein Koordinator zu benennen. Die Partner eines Verbundprojekts regeln ihre Zusammenarbeit in einer schriftlichen Kooperationsvereinbarung. Verbundpartner, die Forschungseinrichtungen im Sinne von Artikel 2 (Nummer 83) AGVO sind, stellen sicher, dass im Rahmen des Verbundes keine indirekten (mittelbaren) Beihilfen an Unternehmen fließen. Dazu sind die Bestimmungen von Nummer 2.2 der Mitteilung der Kommission zum Unionsrahmen für staatliche Beihilfen zur Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation (ABl. C 198 vom 27.6.2014, S. 1) zu beachten. Vor der Förderentscheidung über ein Verbundprojekt muss eine grundsätz­liche Übereinkunft über bestimmte vom BMBF vorgegebene Kriterien nachgewiesen werden (vgl. BMBF-Vordruck Nr. 0110).
 

Wissenschaftliche Standards

Die Antragstellenden sind verpflichtet, nationale und internationale Standards zur Qualitätssicherung von präklinischer und klinischer Forschung einzuhalten. Dies gilt insbesondere für Biomaterialbanken, Patientenregister, IT-Vernetzung, Zellkultur- und Tierstudien. Die entsprechenden Standards sind im Leitfaden zu dieser Förderrichtlinie näher spezifiziert.
 

Qualität der angewendeten Methoden

Voraussetzung für eine Förderung ist die hohe Qualität der Methodik des beantragten Projekts. Bei der Projektplanung müssen der nationale und internationale Forschungsstand adäquat berücksichtigt werden. Die Validität der Erhebungsverfahren muss in Bezug auf die gewählte Forschungsfrage gewährleistet sein. Die kontinuierliche Einbindung methodologischer Expertise in das Vorhaben muss gewährleistet sein.
 

Partizipation

Patientinnen und Patienten sollen soweit angemessen einbezogen werden, damit sie über die Forschungsentwicklungen in ihrem Krankheitsgebiet informiert sind und sich an der Verbreitung der Ergebnisse beteiligen können. ­Darüber hinaus sollen sie die Möglichkeit haben, sich am Forschungsprozess zu beteiligen, indem sie z. B. die Gewinnung klinischer Daten unterstützen und die Patientensicht auf diese Daten einbringen (für weitere Informationen siehe beispielsweise https://www.invo.org.uk/resource-centre/resource-for-researchers/).

Das konkret gewählte Vorgehen zur Einbeziehung von Patientinnen und Patienten muss im Antrag dargelegt werden.
 

Berücksichtigung von Gender-Aspekten

Die Relevanz von Geschlecht (sex und/oder gender) für die Fragestellung des Vorhabens ist zu prüfen. Die Prüfung ist im Antrag zu dokumentieren. Es muss dargelegt werden, wie die Relevanz von Geschlecht, so vorliegend, methodisch berücksichtigt wird.


Zugänglichkeit und langfristige Sicherung von Forschungsdaten und -ergebnissen

Der Zugang zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen und Daten ist eine wesentliche Grundlage für Forschung, Entwicklung und Innovation. Die langfristige Sicherung und Bereitstellung der Forschungsdaten leisten einen Beitrag zur Nachvollziehbarkeit und Qualität wissenschaftlicher Arbeiten. Deshalb gelten folgende Voraussetzungen:

  • Es sollen Datenmanagementpläne ausgearbeitet und vorgelegt werden.
  • Forschungsergebnisse, die im Rahmen dieser Förderrichtlinie entstehen, müssen unabhängig von der Attraktivität des Ergebnisses (Negativergebnisse) publiziert werden.
  • Die Veröffentlichungen der Forschungsergebnisse sollen grundsätzlich als Open Access-Publikation erfolgen. ­Originaldaten zu den Publikationen sollen zur Nachnutzung zur Verfügung gestellt werden (digital; unter Wahrung der Rechte Dritter, insbesondere Datenschutz, Urheberrecht). Die Kriterien und der Zugangsweg zu den Daten zur Nutzung durch Dritte müssen im Antrag festgeschrieben und transparent gemacht werden.
     

Verwertungs- und Nutzungsmöglichkeiten

Die angestrebten Ergebnisse müssen einen konkreten Erkenntnisgewinn für künftige Verbesserungen in der Prävention, Diagnostik und Therapie von gesundheitspolitisch bedeutenden Erkrankungen erwarten lassen. Die geplante Verwertung, der Transfer der Ergebnisse in die Praxis sowie Strategien zur nachhaltigen Umsetzung müssen bereits in der Konzeption des beantragten Projekts adressiert und auf struktureller und prozessualer Ebene beschrieben werden.


Art und Umfang, Höhe der Zuwendung

Die Verbünde können in der Regel für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren gefördert werden, gegebenenfalls ist eine Verlängerung um zwei Jahre möglich. Nach ca. zweieinhalb Jahren werden die Verbünde einer Zwischenevaluation unterzogen. Auf der Grundlage der Zwischenevaluation wird über eine mögliche Weiterförderung entschieden.

Zuwendungsfähig für Antragstellende außerhalb der gewerblichen Wirtschaft sind der vorhabenbedingte Mehraufwand, wie Personal-, Sach- und Reisemittel sowie in begründeten Ausnahmefällen projektbezogene Investitionen, die nicht der Grundausstattung des oder der Antragstellenden zuzurechnen sind.

Daneben sind unter anderem Ausgaben/Kosten für die folgenden Punkte zuwendungsfähig:

  • Koordination und Qualitätssicherung;
  • Finanzierung von Ersatzpersonal für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Klinik, die voll oder anteilig für eine befristete Zeit von ihren Routineaufgaben in der Versorgung für die Forschung freigestellt werden sollen und für die ein Ersatz eingestellt werden muss;
  • Fördermittel zur Beteiligung von Patientinnen und Patienten in den Verbünden;
  • Publikationsgebühren, die für die Open Access-Publikation der Vorhabenergebnisse während der Laufzeit des ­Vorhabens entstehen;
  • Aufbereitung von projektspezifischen Forschungsdaten für eine Nachnutzung durch andere Wissenschaftler während der Laufzeit der Förderung (Open Data);
  • Infrastruktur- und Personalkosten während der Laufzeit der Förderung für die kontrollierte Herausgabe der Daten sowie für die Überführung in existierende Dateninfrastrukturen.

Weitere Informationen

Meldefrist: 29.01.2021, 12:00 Uhr MEZ

Weitere Informationen:
 

Bekanntmachung des BMBF: Richtlinie zur Förderung interdisziplinärer Verbünde zur Erforschung von Pathomechanismen

Kontakt:
 

Mit der Abwicklung der Fördermaßnahme hat das BMBF derzeit folgenden Projektträger (PT) beauftragt:

DLR Projektträger
− Bereich Gesundheit −
Heinrich-Konen-Straße 1
53227 Bonn

Telefon: 02 28/38 21-12 10
Telefax: 02 28/38 21-12 57
www.gesundheitsforschung-bmbf.de

Soweit sich hierzu Änderungen ergeben, wird dies im Bundesanzeiger oder in anderer, geeigneter Weise bekannt gegeben.

Ansprechpersonen:

Frau Dr. Cosima Pfenninger
Tel.: +(0) 49 30/6 70 55-96 09

Frau Dr. Andrea Delekate
Tel.: +(0) 49 2 28/38 21-23 59

E-Mail: pathomechanism-research@dlr.de

Es wird empfohlen, zur Beratung mit dem Projektträger Kontakt aufzunehmen. Weitere Informationen und Erläuterungen sind dort erhältlich.