Meldefrist 28.05.2020 | Ausschreibung

"Digitale FortschrittsHubs Gesundheit" im Förderkonzept Medizininformatik

Die digitale Vernetzung von Forschung und Versorgung bietet große Potentiale für eine intelligente Medizin und kann die Qualität der Behandlungsergebnisse und Patientensicherheit erhöhen. Mit dem 2015 veröffentlichten modularen Förderkonzept „Medizininformatik“ will das BMBF einen wichtigen Beitrag leisten, um die Chancen der Digitalisierung für die Medizin zu nutzen.

Förderziel:

In der aktuellen Aufbau- und Vernetzungsphase der Medizininformatik-Initiative werden technische und strukturelle Lösungen entwickelt, um zunächst Forschungs- und Versorgungsdaten der Universitätskliniken zusammenzuführen und einer automatisierten Analyse zugänglich zu machen. Die aktuelle BMBF-Förderung der Medizininformatik fokussiert sich mit dem laufenden Fördermodul „Aufbau- und Vernetzungsphase“ zunächst auf Universitätskliniken. Zentral für die medizinische Versorgung vieler Patientinnen und Patienten sind jedoch Arztpraxen und regionale Krankenhäuser. Eine besondere Herausforderung wird es daher sein, Patientendaten, die an nicht-universitären medizinischen Einrichtungen entstehen, für die Gesundheitsforschung nutzbar zu machen.

Mit dem Fördermodul „Digitale FortschrittsHubs Gesundheit“ der Medizininformatik-Initiative beabsichtigt das BMBF daher, auch medizinische Daten aus der Patientenversorgung im stationären und ambulanten Bereich zu adressieren. Ziel ist die Erprobung der Machbarkeit einer forschungskompatiblen, sektorenübergreifenden Datenbereitstellung in der medizinischen Praxis der regionalen Versorgung sowie die modellhafte Überprüfung des Mehrwerts für Patien­tinnen und Patienten, medizinisches Fachpersonal und die Wissenschaft. Der Fokus liegt hierbei zunächst auf der pilothaften Umsetzung von konkreten Anwendungsbeispielen in der Forschung und Versorgung. Diese Anwendungsbeispiele sollen auf der sektorübergreifenden Datennutzung und auf der Kooperation regionaler Einrichtungen der Gesundheitsversorgung mit einem oder mehreren Unikliniken beruhen. Darüber hinaus können patientenbezogene Gesundheitsdaten von Sozialversicherungsträgern, Registern und weiteren relevanten Datenhaltern hinzukommen. In Digitalen FortschrittsHubs sollen relevante Partner aus der medizinischen Versorgung, Forschung, einschlägigen Unternehmen, Krankenkassen und Patientenvertretungen eng zusammenarbeiten.

Das Medizininformatik-Fördermodul „Digitale FortschrittsHubs Gesundheit“ zahlt auf die Strategie Künstliche Intelligenz der Bundesregierung ein und wird anteilig im Rahmen der dort beschriebenen Anwendungshubs gefördert. Als Leitinitiative ist das Fördermodul zudem in der Digitalstrategie des BMBF verankert. Durch die Digitalen FortschrittsHubs können wichtige Erkenntnisse gewonnen werden sowohl für die Weiterentwicklung des Förderkonzepts Medizininformatik als auch für die Etablierung von forschungskompatiblen elektronischen Patientenakten in Deutschland. Mindestens ein „Digitaler FortschrittsHub“ soll einen Beitrag zu den Zielen der Nationalen Dekade gegen Krebs leisten.

Die Medizininformatik-Initiative ist Teil des Rahmenprogramms Gesundheitsforschung der Bundesregierung und bedient insbesondere das Handlungsfeld 2: „Innovationsförderung – Medizinischen Fortschritt vorantreiben“.
 

Gegenstand der Förderung:

Gefördert werden „Digitale FortschrittsHubs Gesundheit“ in Form von interdisziplinären und sektorübergreifenden Verbünden, in denen verschiedene Partner, beispielsweise Krankenhäuser, Arztpraxen und weitere Gesundheitseinrichtungen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen, insbesondere der IT-Branche oder Krankenkassen an definierten, sektorübergreifenden Forschungsfragen und digitalen Versorgungsansätzen mit einem oder mehreren Datenintegrationszentren der Medizininformatik-Initiative zusammenarbeiten. Ein Datenintegrationszentrum sollte sich in der Regel nicht an mehreren Digitalen FortschrittsHubs beteiligen.

Der Kern eines Digitalen FortschrittsHubs definiert sich durch die sektorübergreifende, digitale und strukturierte gemeinsame Datenbereitstellung mit dem Ziel der gemeinsamen Nachnutzung in enger Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, IT und Versorgern. Dabei sollen die organisatorischen, technischen und rechtlichen Strukturen auf Dauer angelegt und nicht ausschließlich im bearbeiteten einzelnen Anwendungsbeispiel („Use Case“) nutzbar sein. Wo immer möglich, ist die gezielte Nutzung von bereits existierenden digitalen Dateninfrastrukturen vorzusehen. Von Vorteil ist dementsprechend der Zusammenschluss von existierenden Netzwerken oder Verbünden mit Zentren der Medizininformatik-Initiative im Rahmen eines Digitalen FortschrittsHubs. Die Datenformate müssen sowohl internationale Standards berücksichtigen als auch die bereits getroffenen Vereinbarungen der Medizininformatik-Initiative, wie z. B. den Kerndatensatz.

Weiterhin ist die Kompatibilität der Entwicklungen zur Telematik-Infrastruktur zu beachten.

In konkreten Use Cases soll modellhaft aufgezeigt werden, wie die entwickelten Lösungen im Sinne von forschungskompatiblen elektronischen Patientenakten für die Optimierung der Versorgung genutzt werden können. Die Use Cases sollen Krankheitsbereiche adressieren, die sich durch hohe Relevanz für die sektorübergreifende medizinische Versorgung auszeichnen. Vor dem Hintergrund der Nationalen Dekade gegen Krebs sollen neben anderen möglichen Themenbereichen in der Fördermaßnahme auch Fragestellungen der Onkologie berücksichtigt werden. Aktivitäten zu einem bestimmten Krankheitsbereich sollen vorzugsweise in einem FortschrittsHub gebündelt werden. Zur Realisierung der Use Cases sollen, wo zielführend, auch Methoden der künstlichen Intelligenz zum Einsatz kommen.

Der Mehrwert und die Akzeptanz der hier entwickelten Lösungen für Patientinnen und Patienten, medizinisches Fachpersonal und Forschende soll von den „Digitalen FortschrittsHubs Gesundheit“ mithilfe geeigneter methodischer Ansätze untersucht und aufgezeigt werden. Dabei sind die genannten Gruppen zwingend von Beginn an in die Konzeption der entsprechenden Projekte einzubeziehen.

FortschrittsHubs sollen daneben auch weitere Fragestellungen adressieren, die für die Realisierung einer forschungskompatiblen, sektorübergreifenden Datenbereitstellung in der medizinischen Praxis der regionalen Versorgung von Bedeutung sind, z. B. gesundheitsökonomische Betrachtungen, rechtliche Fragen, Formen der Beteiligung von Patientinnen und Patienten etc.

Ein „Digitaler FortschrittsHub Gesundheit“ soll die für die Umsetzung relevanten Akteure, Disziplinen und Expertisen aus Forschung und Versorgung zusammenführen. Typischerweise sind an der Patientenversorgung verschiedene Berufsgruppen der Gesundheitsversorgung beteiligt aus den Bereichen Fach- und Hausärztliche Versorgung, nicht-ärztliche Therapie, Rehabilitation und Pflege. Entsprechend der Schwerpunktsetzung des Digitalen FortschrittsHubs sind die jeweils relevanten Berufsgruppen in geeigneter Weise einzubeziehen. Eine enge Vernetzung der beteiligenden Akteure sowie eine geeignete Governance Struktur ist in den FortschrittsHubs vorzusehen.

Es ist erwünscht, in den beantragten Projekten Gender-Aspekte zu berücksichtigen. Ebenso sollen gegebenenfalls Besonderheiten von unterrepräsentierten Bevölkerungsgruppen berücksichtigt werden. Das beinhaltet nicht nur die Geschlechterverteilung innerhalb der Forschungsteams, sondern insbesondere die Einbeziehung einer geschlechtsspezifischen Analyse in der Forschung selber, insbesondere dann, wenn patientenbezogene Daten genutzt werden oder Patientinnen und Patienten beteiligt sind. Gender-Aspekte werden als für ein Projekt relevant angesehen, wenn das Projekt oder seine Ergebnisse Individuen oder bestimmte Personengruppen betreffen.

Die Relevanz von Gender und anderen unterrepräsentierten Gruppen für die Fragestellung des Vorhabens ist zu prüfen. Die Prüfung ist im Antrag zu dokumentieren. Sofern relevant, muss dargelegt werden, wie dies methodisch berücksichtigt wird.

 

Zuwendungsempfänger:

Antragsberechtigt sind staatliche und staatlich anerkannte Hochschulen, Universitätskliniken, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft, Einrichtungen und Träger der Gesundheitsversorgung, eingetragene Vereine und Stiftungen sowie Sozialversicherungsträger.

 

Verwertungs- und Nutzungsmöglichkeiten

Die zu erwartenden Ergebnisse müssen einen konkreten Erkenntnisgewinn für künftige Verbesserungen in der Gesundheitsförderung, Prävention oder Therapie des gewählten Krankheitsbereiches des jeweiligen Digitalen FortschrittsHubs erbringen. Die geplante Verwertung, der Transfer der Ergebnisse in die Praxis sowie Strategien zur nachhaltigen Umsetzung müssen bereits in der Konzeption des beantragten Projekts adressiert und auf struktureller und prozessualer Ebene beschrieben werden.

Weitere Informationen

Anmeldefrist der ersten Verfahrensstufe: 28.05.2020

 

Weitere Informationen:
 

Weitere Informationen zur Ausschreibung und Antragsstellung finden Sie unter:
https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/10580.php
 

Mit der Abwicklung der Fördermaßnahme hat das BMBF derzeit folgenden Projektträger (PT) beauftragt:

DLR Projektträger
− Bereich Gesundheit −
Heinrich-Konen-Straße 1
53227 Bonn
Telefon: 02 28/38 21-12 88
medinfo@dlr.de
www.gesundheitsforschung-bmbf.de


Es wird empfohlen, zur Beratung mit dem Projektträger Kontakt aufzunehmen.

Ansprechpartner:
 

Dr. Leonie Pothmann
0228 3821-2126
digihubs@dlr.de

Dr. Sina Radke

0228 3821-1705
digihubs@dlr.de

Dr. Nanette Kälin

0228 3821-1251
digihubs@dlr.de