BioTech meets MedTech

BioTech meets MedTech

Medizintechnik und Biotechnologie – auf den ersten Blick verläuft zwischen diesen beiden Branchen eine scharfe Trennlinie. Während die Biotechnologie auf den Biowissenschaften basiert und mit lebenden Organismen und Biomolekülen zu tun hat, ist die Medizintechnik ein stark ingenieurgetriebener Sektor, bei dem es um die Entwicklung neuer Geräte geht. Tatsächlich sind beide Bereiche aber häufig nicht eindeutig voneinander zu trennen – und die Grenze zwischen ihnen verläuft zusehends. Biotechnologiefirmen entdecken den Medizintechniksektor zunehmend als neuen Markt für sich, Medizintechnikunternehmen suchen ihrerseits in biotechnologischen Ansätzen Anregungen für Produktinnovationen.

In der STERN-Region ist das Potenzial für eine Zusammenarbeit zwischen Medtech- und Biotech-Unternehmen besonders hoch: Rund 120 Medtech-Firmen, darunter die Global Players der Branche, innovative Mittelständler und zahlreiche Zulieferer stehen beinahe 100 hochinnovativen Biotech-Firmen der Region gegenüber. Die Zusammenarbeit zwischen diesen Unternehmen systematisch zu fördern ist das erklärte Ziel unseres Programms „Medtech & Biotech“. Unter dem Motto „Wirtschaft weiterdenken“ fördert die BioRegio STERN den Dialog zwischen den Akteuren beider Branchen. Es werden gemeinsame Meetings und Diskussionsrunden organisiert, Studien initiiert und Kooperationen angestoßen. Ziel ist es, Synergien zu entdecken und optimal zu nutzen. Dadurch sollen beide Branchen neue Märkte nicht nur erschließen, sondern sie auch gemeinsam anführen im internationalen Wettbewerb.

Synergien entdecken und realisieren

Mit Biomolekülen gekoppelte Sensoren, Gefäßprothesen, die Medikamente freisetzen oder mit Zellen beschichtete Implantatoberflächen – die Zusammenarbeit zwischen der regenerativen Medizin und der Medizintechnik birgt ein enormes Potenzial für neue Ansätze und innovative Konzepte. Seit 2005 fördert die BioRegio STERN Management GmbH deshalb den Dialog und die Zusammenarbeit der beiden Branchen. Das Ziel: Synergien freizusetzen und für beide Seiten neue Märkte zu erschließen.

Auch wenn Biotech- und Medtech-Industrie auf den ersten Blick sehr unterschiedlich sind, haben sie durchaus eine Reihe von Gemeinsamkeiten. Dies beginnt schon bei der Branchenstruktur: Abgesehen von einigen wenigen großen Konzernen im Medtech-Bereich sind die Unternehmen beider Bereiche mittelständisch geprägt. Ein Großteil der Medizintechnik-Betriebe hat weniger als 100 Angestellte, in der Biotechnologie sind Unternehmen mit weniger als 50 Angestellten die Regel. Beide Branchen sind zudem innovationsstark: Die Forschung und Entwicklung hat einen sehr hohen Stellenwert.

Es gibt aber auch deutliche Unterschiede: Die Medizintechnik ist eine etablierte Industrie, deren Wurzeln teilweise in das 19. Jahrhundert zurückreichen. Die Biotech-Branche hingegen ist jung. Das Durchschnittsalter der Biotechnologie-Unternehmen liegt bei 6,9 Jahren. Medtech-Unternehmen setzen auf kleine Innovationsschritte und bauen auf eine solide, konservative Finanzierung. Die Produktinnovationen in der Biotech-Branche sind häufig radikal, die Unternehmen oft durch Risikokapital finanziert. Während Medizintechnik-Unternehmen stark marktorientiert operieren sind die meisten Biotechnologie-Unternehmen forschungsnah, was auch in einer geringeren Marktkenntnis resultiert. Und auch zulassungsrechtliche Fragen trennen die beiden Technologiefelder: Reine Medizintechnikprodukte brauchen lediglich eine CE-Kennung, um auf dem Markt zugelassen zu werden, Biotech-Produkte, die Zellen, Gewebeprodukte oder pharmakologisch wirksame Substanzen enthalten, fallen dagegen unter das Arzneimittelgesetz und müssen folglich wesentlich aufwändigere und langwierigere klinische Prüfungen und Zulassungsverfahren durchlaufen.

Es gibt also einige Hürden zu überwinden und Differenzen zu überbrücken, um eine Zusammenarbeit zwischen den beiden Branchen zu fördern. Die BioRegio STERN hat zu diesem Zweck mittlerweile mehrere Treffen organisiert, Workshops durchgeführt und in einer umfangreichen Studie gemeinsam mit der Beratungsfirma Capgemini das derzeitige Verhältnis der Branchen zueinander, den Stand der branchenübergreifenden Kooperationen und künftige Pläne für die Zusammenarbeit ausgeleuchtet. Ziel dieser Aktivitäten ist es, das Verständnis für die Gemeinsamkeiten aber auch für die Unterschiede zwischen beiden Branchen zu vermitteln, mögliche Hindernisse und Hürden für Kooperationen zu identifizieren und Lösungswege zu diskutieren. Die Vertreter beider Branchen sollen eine gemeinsame Sprache finden und so in einen stärkeren Dialog treten.

Eins ist sicher: Der Wille, aufeinander zuzugehen, ist vorhanden. Ein Stimmungsbarometer in der Capgemini-Studie zeigte, dass Vertreter beider Unternehmen in den nächsten Jahren eine zunehmende Kooperation der beiden Branchen erwarten. Eine Konkurrenzsituation oder Koexistenz wird weniger gesehen. Für die Zukunft sehen die Medizintechnik-Unternehmen das größte Potenzial der Biotechnologie für den Einsatz im eigenen Haus bei Microarrays, Biosensoren und Technologien für das Drug Delivery. Beide Branchen bescheinigen auch dem Verband- und Wundmaterial großes Potenzial: Beispielsweise können Biomaterialien zusammen mit im Labor gezüchteten Zellen einer Wundauflage neue Eigenschaften verleihen. Eine Beschichtung von Implantaten mit Molekülen oder Zellen kann deren Eigenschaften ebenfalls schon heute verbessern. Auch im Bereich der bildgebenden Diagnostik werden neu identifizierte molekulare Marker zukünftig verstärkt dazu dienen, Krankheitsvorgänge in vivo sichtbar zu machen.

Um die Entwicklung solcher innovativer Technologien zu fördern, wird sich die BioRegio STERN auch künftig für den Dialog beider Branchen stark machen. Eine enge Kooperation besteht mit dem Kompetenzzentrum „Minimalinvasive Medizin und Technik Tübingen-Tuttlingen“ (MITT e.V.), das ebenso Mitglied in der Initiative Kompetenznetze Deutschland ist. Dabei fördert MITT e.V. den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft, Handwerk und Industrie. Gleichzeitig wurde der Kontakt zum Medical Valley Hechingen intensiviert. Das Medical Valley Hechingen ist ein Standort der Hochtechnologie, an dem sich innovative Medizintechnik-Unternehmen zu einem lokalen Netzwerk zusammengeschlossen haben.

Ihr Ansprechpartner

Klaus Eichenberg, Dr. rer. nat.
E info [at] bioregio-stern [dot] de
T +49-711-870354-22


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