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INPUT-Interview mit Dr. Wolfgang Klein
INPUT-Interview mit Dr. Wolfgang Klein [31.01.2012]
Die Reutlinger Therapy Invest Group hat mit dem AMD Therapy Fund eine ungewöhnliche Form der Geldanlage entwickelt. Dabei handelt es sich um einen Fonds, der ausschließlich in solche Unternehmen investiert, die Therapien gegen die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) entwickeln. Zusammen mit Andreas Mayr hat Dr. Wolfgang Klein das Konzept für AMD Therapy erarbeitet. Im Gespräch erklärt er, wie es funktioniert.
Herr Dr. Klein, was genau ist AMD Therapy?
AMD Therapy ist zunächst ein Private-Equity-Fonds im Bereich Life-Science – mit einer Besonderheit: Er ist spezialisiert auf nur eine einzige Krankheit. Damit ist AMD Therapy auch eine Betroffenenorganisation, in der sich AMD-Patienten und deren Angehörige zusammentun, um die Entwicklung von Medikamenten gegen die Krankheit zu fördern.
Das müssen Sie genauer erklären.
Dadurch, dass wir uns nur auf eine Krankheit festlegen, werden wir als Geldanlagemöglichkeit für Betroffene interessant. Sie investieren also nicht nur, weil sie auf eine Rendite hoffen, sondern auch und vor allem, weil sie Therapien haben wollen.
Ginge das nicht auch einfacher über eine Spendenorganisation?
Solche Organisationen sind gemeinnützig und dürfen nicht in die Entwicklung von Produkten investieren. Und Medikamente sind ja Produkte, die auf den Markt gebracht werden müssen, damit sie Patienten nützen. Unser Ziel, neue Therapien für AMD zu entwickeln, können wir also nur mit einem Fonds erreichen.
Misstrauische Menschen könnten vermuten, dass Sie die Hoffnungen von Betroffenen für Ihr Geschäftsmodell ausnutzen.
Nein, das tun wir nicht. Wir wollen Betroffenen die Möglichkeit geben, gezielt in neue Therapien gegen ihre Krankheit zu investieren. Wir sagen ihnen auch ganz offen, dass es ein risikoreiches Investment ist. Auch wir haben ja keine Kristallkugel, mit der wir vorhersehen können, ob sich die neuen Therapieansätze auf dem Markt etablieren lassen. Betroffenen bieten wir aber zusätzlich zur Aussicht auf finanzielle Rendite die Chance auf eine in Zukunft verbesserte therapeutische Situation. Denn ohne unseren Fonds würden einige vielversprechende Therapieansätze nicht erprobt, und aus diesen entstünde keine Hoffnung auf eine Therapie.
Wie sind Sie denn auf die Idee für diese ungewöhnliche Anlagemöglichkeit gekommen?
Ich habe als Berater für Biotech-Firmen gearbeitet. Ein Mandant präsentierte mir ein Projekt, das für AMD-Patienten viel Hoffnung auf eine Therapie barg. Der Erfinder hatte einen neuartigen Ansatzpunkt gefunden und bereits viele überzeugende Daten gewonnen. Daraufhin habe ich lange nach Investoren für den Mandanten gesucht – ohne Erfolg. Einmal mehr wurde deutlich, dass es für innovative Therapiekandidaten sehr oft eine Finanzierungslücke gibt. Forschungsinstitute gehen bei der Entwicklung nur bis zum Wirkstoffkandidaten. Pharma-Firmen müssen für die Weiterentwicklung bis zum marktreifen Medikament sehr viel Geld investieren – und in zunehmendem Maße scheuen sie dieses Risiko. Das heißt, dass aus Sicherheitserwägungen heraus viele Therapien nicht entwickelt werden. Das ist der Charme unseres Ansatzes, Betroffene mit ins Boot zu holen: Sie sehen die Chance auf eine Therapie, wo Pharma-Firmen nur das hohe Risiko sehen.
Vielleicht können Sie, bevor wir über die finanziellen Details von AMD Therapy sprechen, kurz erklären, was AMD für eine Krankheit ist?
Wir beschäftigen uns mit der trockenen Verlaufsform der altersbedingten Makuladegeneration. In der Netzhaut des Auges sterben dabei ausgerechnet die Sehzellen ab, die für das scharfe Sehen zuständig sind. In der Regel leiden darunter Menschen, die älter als 60 sind. Die ersten Symptome sind, dass sie verzerrte Bilder sehen, dann sehen sie einen blinden Fleck. Der Fleck wächst, irgendwann können die Patienten nicht mehr lesen, keine Gesichter mehr erkennen und nicht mehr allein das Haus verlassen. Die Krankheit schreitet sehr langsam voran – und das macht sie so interessant für unseren Finanzierungsansatz.
Warum?
Eine Medikamenten-Entwicklung dauert oft zehn Jahre und länger. Nur bei einer Krankheit mit langsamem Verlauf können also Patienten darauf hoffen, dass sie selbst davon profitieren, wenn sie heute investieren. Es gibt aber noch einen weiteren Punkt, weshalb AMD besonders geeignet ist für unser neues Konzept: Verwandte von AMD-Patienten haben ein deutlich erhöhtes Risiko, selbst daran zu erkranken. Wenn sie heute investieren, dann erhöhen sie die Chance, dass es eine Therapie gibt, wenn sie selbst erkranken.
Die Rechtsform von AMD Therapy ist eine Genossenschaft. Warum?
Eine Genossenschaft ist besonders geeignet für eine Betroffenenorganisation. Unter anderem wird verhindert, dass ein Großinvestor den Fonds dominiert, denn jeder Anteilseigner hat gleich viel Stimmrecht. Zudem genießen Genossenschaften gewisse rechtliche Erleichterungen, was bedeutet, dass der Verwaltungsaufwand gering gehalten werden kann.
Wie sind denn die Anlage-Modalitäten bei Ihrem Fonds?
Ein Genossenschaftsanteil kostet 3.000 Euro. Man kann also mit einem überschaubaren Betrag bei uns einsteigen. Wie bei einem geschlossenen Fonds üblich werben wir nur einen begrenzten Zeitraum Investorengeld ein, in unserem Fall bis Ende 2012, danach kann man nicht mehr einsteigen. Insgesamt haben wir uns ein Ziel gesetzt: Wir wollen 60 Millionen Euro einwerben. Das hat den Hintergrund, dass man mit deutlich geringeren Beträgen keine Medikamentenentwicklung finanzieren kann. Die geplante Laufzeit von zehn Jahren erlaubt es, genügend Zeit zu haben, um geeignete Therapie-Ansätze zu fördern und sie rechtzeitig an die Industrie zu verkaufen.
Und welche Rendite-Erwartungen können Sie Ihren Anlegern bieten?
Das kann man nicht genau sagen. Da müssen wir einen weiten Bogen aufspannen: Zwischen „alles ist weg“ und einem Mehrfachen des Anlagebetrages ist alles drin.
Zum Abschluss der Blick in die Zukunft: Planen Sie denn ähnliche Fonds zu anderen Krankheiten?
Wenn wir sehen, dass unser Konzept Erfolg hat, dann werden wir es sicher auf andere Krankheiten anwenden. Welche das sind, wissen wir heute noch nicht. Es eignen sich nur Krankheiten, die langsam voranschreiten, die sehr stark die Lebensqualität beeinträchtigen und bei denen es viele Betroffene gibt.

Dr. Wolfgang Klein
Wolfgang Klein erwarb seine Biotechnologie-Erfahrung bei CureVac, wo er in der Position des CFO zum Aufbau vom Startup zu einem 70 Mitarbeiter starken Unternehmen mit eigener pharmazeutischer Produktion und mehreren Entwicklungskandidaten in Phase II beitrug. Während seiner Zeit als CFO wurden über 60 Mio. EUR Risikokapital eingeworben. Er war an vorderster Front involviert in die Strategiefindung des Unternehmens. In seiner Verantwortung für den Bereich Human Resources führte er den Aufbau eines erfolgreichen Teams und legte den Grundstein für eine produktive Unternehmenskultur. Vor und nach seiner Zeit bei CureVac hat er mehrere Jahre als Management Berater gearbeitet. Wolfgang Klein promovierte zu einem biologischen Thema an der Universität Freiburg nach Forschungsaufenthalten in den USA und Kanada und erhielt einen MBA von der Universität Krems in Österreich.
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