- English
- Deutsch
http://www.bioregio-stern.de/de/aktuelles-presse/forum-input/input-interview-mit-prof-hugo-haemmerle-0 (18.06.2013)
INPUT-Interview mit Prof. Hugo Hämmerle
INPUT-Interview mit Prof. Hugo Hämmerle [12.09.2011]
Es sind zwölf wirtschaftsnahe Forschungsinstitute, die sich in der "Innovationsallianz Baden-Württemberg" (innBW) zu einer Interessensgemeinschaft zusammengeschlossen haben. Der "Tag der Innovationsallianz" war am 14. Juli im Haus der Wirtschaft in Stuttgart die erste große Auftaktveranstaltung, die gemeinsam mit dem Ministerium für Finanzen und Wirtschaft durchgeführt wurde. Prof. Hugo Hämmerle, Leiter des Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Instituts (NMI) und Sprecher der Allianz, erklärt im INPUT-Interview die Hintergründe.
Herr Hämmerle, 2008 hat das NMI mit weiteren wirtschaftsnahen Forschungseinrichtungen Baden-Württembergs die "Innovationsallianz" ins Lebengerufen. Was darf man sich darunter vorstellen?
Die Innovationsallianz ist ein Zusammenschluss von zwölf außeruniversitären, wirtschaftsnahen Forschungseinrichtungen. Es gibt zwei wesentliche Punkte, die uns verbinden: Wir haben ein ähnliches Selbstverständnis, denn wir betreiben eine stark transferorientierte Forschung auf hohem Niveau und sind Trendsetter in innovativen Feldern. Außerdem verfügen wir über ähnliche Strukturen, was Förderung und Finanzierung angeht. Wir erhalten vom Land eine Grundfinanzierung von durchschnittlich 22 Prozent vom Land Baden-Württemberg. In der Innovationsallianz wollen wir unsere Interessen bündeln und gemeinsam auf uns aufmerksam machen.
Obwohl die Innovationsallianz bereits 2008 gegründet wurde, hat man bis jetzt wenig von ihr gehört. Ende Juli fand nun im Haus der Wirtschaft der Tag der Innovationsallianz statt. Heißt das, es geht jetzt richtig los?
Ja,mit dem Tag der Innovationsallianz haben wir einen deutlichen Impuls gesetzt, sowohl nach außen wie nach innen. Wir wollten vor allem die Landespolitik und die in Baden-Württemberg aktiven Cluster und Netzwerke ansprechen und in einen Dialog treten. Intern wollten wir erreichen, dass die Mitarbeiter der Institute die jeweiligen Kompetenzen und Forschungsthemen besser kennen lernen und Erfahrungen austauschen. Der Tag der Innovationsallianz war sozusagen der offizielle Startschuss für unsere Initiative.
Wie fiel die Resonanz aus?
Die Veranstaltung war sehr erfolgreich. Es kamen etwa 260 Besucher, davon 130 externe Stakeholder aus den Ministerien, den Industrie- und Handelskammern und Netzwerkorganisationen wie der BioRegio STERN Management GmbH. Auch Unternehmer waren vertreten. Es gab Vorträge zu allen Zukunftsfeldern des Landes, die die Innovationsallianz abdeckt, beispielsweise Energieforschung, Gesundheitsforschung, Mobilität und Informations- und Kommunikationstechnologie. Wichtig sind uns auch die Querschnittstechnologien. In einem Themenparcours haben wir 72 Projekte vorgestellt, teils mit Postern, teils mit Exponaten wie einem Leichtbauboot aus Karbonfaser, Dünnschnittsolarzellen, die den Weltrekord im Wirkungsgrad aufgestellt haben oder einem Knochenmann mit Implantaten aus Hochleistungstextilien. Wir sind mit der Resonanz sehr zufrieden und denken darüber nach, die Veranstaltung in zwei Jahren zu wiederholen. Besonders hat uns gefreut, dass der Finanz- und Wirtschaftsminister Dr. Nils Schmid in seiner Rede die Bedeutung der Innovationsallianz für die Forschung und Transferpolitik des Landes hervorgehoben hat.
Die Mitglieder der Innovationsallianz sind allesamt hoch innovative, erfolgreiche Forschungseinrichtungen, die in Baden-Württemberg sicherlich zu den Leuchttürmen in der Forschungslandschaft zählen. Wozu brauchen diese Einrichtungen das neue Bündnis?
Wir wollen die innBW zu einer Dachmarke aufbauen, unter der die Institute gemeinsam auftreten. Sie soll eine Anlaufstelle sein für innovative Unternehmen. Durch die Vernetzung der Institute in interdisziplinären Projekten wird ein großes Innovationspotenzial freigesetzt. Und indem wir gemeinsam auftreten, wollen wir die Interessen der einzelnen Institute gegenüber der Politik bündeln.
Was sind denn Ihre gemeinsamen Interessen gegenüber der Politik?
Unsere Institute erhalten bislang verglichen mit anderen wirtschaftsnahen Forschungsinstituten eine geringe staatliche Grundfinanzierung. Der sehr hohe Anteil an Drittmitteln und Projekten in der Auftragsforschung ist zwar ein einzigartiger Erfolg, bedeutet aber auch, dass wir immer weniger in der Lage sind, Grundlagenforschung in eigenen Projekten voranzutreiben und so als Trendsetter und Vordenker neue Themenfelder für die Unternehmen zu erschließen. Das gefährdet unsere Stellung und unsere Funktion für die baden-württembergische Wirtschaft- schließlich stehen wir im Wettbewerb mit großen Einrichtungen wie der Fraunhofer-Gesellschaft.
Und was fordern Sie?
Wir wollen einen deutlichen Zuwachs der Grundfinanzierung, die uns ermöglicht, uns auf den Zukunftsfeldern nachhaltig zu positionieren. Diese Forderungen bedeuten eine Investition in die Zukunft des Landes. Das wird besonders deutlich, wenn man sieht, welche Leistungen die Institute besonders für mittelständische Unternehmen erbringen. In den zwölf Instituten der Innovationsallianz arbeiten heute 1140 Mitarbeiter. Vergangenes Jahr haben die Institute gemeinsam 1.800 Industrieaufträge und 480 öffentliche Forschungsprojekte bearbeitet. Gemeinsam haben wir bereits 45 Ausgründungen hervorgebracht. Das kann sich sehen lassen - und das soll auch in Zukunft noch möglich sein.
Was sind die weiteren Pläne der Innovationsallianz?
Während des Tages der Innovationsallianz sind wir auf sehr positive Resonanz beispielsweise bei den Transferbeauftragten der Industrie- und Handelskammer gestoßen. Mit ihnen wollen wir neue Konzepte entwickeln, wie der Mittelstand und die Institute der innBW noch effektiver zusammengebracht werden können. Gerade auf Seiten der kleinen und mittleren Unternehmen, die den hiesigen Wirtschaftsraum maßgeblich prägen, gibt es eine gewisse Schwellenangst, an große Forschungseinrichtungen heranzutreten. Wir wollen diese psychologischen Hürden herabsetzen, etwa durch Kooperationsbörsen, bei denen solche Unternehmen ihren Innovationsbedarf formulieren können und wir dann den Kontakt zu geeigneten Forschungspartnern aus den Reihen der Innovationsallianz oder assoziierten Einrichtungen vermitteln. Die KMUs sollen wissen, dass wir an der Zusammenarbeit mit ihnen sehr interessiert sind. Wir wollen aus Ideen marktfähige Innovationen machen.
Welche Rolle spielt die Biotechnologie innerhalb der Innovationsallianz?
Die Kooperation in der Biotechnologie mit den anderen Instituten ist hochinteressant, denn die Biotechnologie ist eine Querschnittstechnologie: Sektoren wie Medizintechnik, Energietechnologie oder Automatisierung können Kenntnisse und Methoden der Biotechnologie nutzen und umgekehrt. Schon heute gibt es zahlreiche Kooperationen zwischen den Instituten der Innovationsallianz. Das NMI z. B. entwickelt mit dem Institut für Textil- und Verfahrenstechnik Denkendorf textile Träger für Zellen und Gewebe, mit dem Stuttgarter Institut für Mikroelektronik (IMS) und der Universität Tübingen wurde ein Sehchip entwickelt, das Retina-Implantat. Die Institute für Mikro- und Informationstechnik und Mikroaufbautechnik der Hahn-Schickard-Gesellschaft, das IMS und das NMI sind im Spitzencluster MicroTEC Südwest an der Entwicklung von Biosensoren aktiv. Durch den Austausch innerhalb der Innovationsallianz entstehen in naher Zukunft zahlreiche weitere Projekte -erste Konzepte haben wir bereits ausgearbeitet.
Prof. Dr. Hugo Hämmerle
Leiter des Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Instituts (NMI) und Sprecher der "Innovationsallianz Baden-Württemberg"